Wissen - 09

Tabak vom Bodensee. Die letzten Felder der Ostschweiz.

Am Bodensee wächst heute der nördlichste Tabak der Schweiz. In Willisdorf im Kanton Thurgau bewirtschaftet Andreas Schum das letzte Tabakfeld des Kantons - rund sechs Tonnen Burley und Virginia pro Jahr, ein Teil davon geht in Heimat-Zigaretten. Diese Seite erklärt, warum die Bodensee-Region für Tabak besonders ist, wer hier noch anbaut und was das milde Seeklima im Blatt hinterlässt.

Schweizer Tabakfeld am Bodensee im Morgenlicht, mit Obstgärten und Trocknungsscheune im Hintergrund

Definition

Tabakanbau am Bodensee bezeichnet die kommerzielle Kultivierung von Tabak in den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Heute sind es nur noch wenige Hektar - im Thurgau praktisch ausschliesslich der Betrieb von Andreas Schum in Willisdorf bei Diessenhofen, dazu vereinzelte Pflanzer im St. Galler Rheintal und am Obersee. Heimat Original bezieht einen Teil seines Burley- und Virginia-Tabaks direkt von Ostschweizer Höfen.

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Tabakanbau am Bodensee - was ist das?

Der Bodensee ist die nördlichste Region Europas, in der Burley-Tabak noch ernsthaft kultiviert wird. Was das geografisch bedeutet, lässt sich an einer Handvoll Höfen ablesen.

Während drei Viertel des Schweizer Tabaks im Broyetal zwischen Waadt und Freiburg wachsen, gibt es eine kleine, zweite Anbauregion im Norden des Landes - rund um den Bodensee. Hier sind es heute nur noch eine Handvoll Betriebe im Thurgau und St. Gallen, die Tabak kultivieren. Die gesamte Anbaufläche am Bodensee bewegt sich im einstelligen Hektarbereich.

Im Kanton Thurgau ist der Tabakanbau auf einen einzigen Betrieb zusammengeschrumpft: Andreas Schum bewirtschaftet seit über 20 Jahren ein Feld in Willisdorf bei Diessenhofen, am westlichsten Zipfel des Kantons. Pro Jahr produziert er knapp sechs Tonnen Tabak (Quelle: Thurgauer Zeitung, 2020). Ein Teil davon wird zu Heimat-Zigaretten verarbeitet.

Im Kanton St. Gallen gibt es ebenfalls vereinzelte Pflanzer - vor allem im Rheintal und in der Nähe von Steinach, wo Heimat seine Manufaktur betreibt. Der Anbau hier ist klein, aber er knüpft an eine Ostschweizer Tabaktradition an, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Der Bodensee ist der nördlichste Punkt Europas, an dem Burley-Tabak noch ernsthaft angebaut wird.

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Geschichte des Ostschweizer Tabakanbaus

Tabak am Bodensee ist kein Nischen-Experiment der Gegenwart. Er hat eine über 150 Jahre alte Geschichte - die heute fast verschwunden ist.

Im 19. Jahrhundert war Tabak im Thurgau und in St. Gallen eine etablierte Nebenkultur. Bauern bauten Tabak als Zusatzeinkommen neben Obst, Wein und Getreide an. In Diessenhofen, Frauenfeld, Rorschach und im Rheintal gab es Trocknungsscheunen und kleine Manufakturen, die Schnupf-, Pfeifen- und Zigarettentabak verarbeiteten.

Auf dem Höhepunkt um 1900 gab es allein im Thurgau Dutzende von Tabakpflanzern. Die Bodensee-Region profitierte vom milden, vom See temperierten Klima - warmen Tagen und kühlen Nächten, die Burley besonders gut bekommen. Mit der Industrialisierung der globalen Tabakwirtschaft im 20. Jahrhundert geriet der lokale Anbau unter Druck. Billige Importware aus Brasilien, Simbabwe und den USA verdrängte den teureren Schweizer Tabak.

Bis in die 1990er-Jahre gab es im Thurgau noch eine kleine Gruppe von Tabakbauern. Heute ist Andreas Schum mit seinem Hof in Willisdorf der letzte verbliebene Tabakproduzent des Kantons (Quelle: TVO Online, 2024).

Im Thurgau gab es um 1900 Dutzende von Tabakbauern. Heute ist es noch genau einer.

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Warum das Bodensee-Klima für Tabak besonders ist

Der Bodensee wirkt wie ein riesiger Wärmespeicher. Genau diese Eigenschaft macht ihn zu einer überraschend guten Tabakregion - vor allem für Burley.

Tabak braucht Wärme, Licht und eine möglichst lange Vegetationsperiode. Am Bodensee ist beides knapp - die Saison dauert nur rund 100 bis 110 Tage von der Pflanzung bis zur Ernte. Was die Region trotzdem zur Tabakregion macht, ist das ungewöhnliche Mikroklima: Der See speichert tagsüber Sonnenwärme und gibt sie nachts an die umliegenden Felder ab. Daraus ergeben sich warme Tage, milde Nächte und seltener Spätfröste - ideale Bedingungen für die langsame, gleichmässige Reifung von Burley.

Die Böden um den Bodensee sind grösstenteils alluvial - Schwemmland aus eiszeitlichen Gletschern und Flussläufen. Sie sind tiefgründig, gut durchlüftet und mineralreich. Burley-Tabak nimmt aus diesen Böden vor allem Kalium und Magnesium auf - Mineralstoffe, die später das Brennverhalten und die Aromatik des Blattes prägen.

Das Resultat ist ein Bodensee-Tabak mit dünnerer Blattstruktur, weniger Zucker als seine südlichen Verwandten und einem milderen, kräuterig-erdigen Aromaprofil. Vergleichbar in der Logik mit Wein aus dem kühlen Mosel-Anbau: weniger süss, dafür präziser und strukturierter.

Der See speichert Sonnenwärme und gibt sie nachts an die Tabakfelder zurück. Das ist sein stiller Beitrag zum Blatt.

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Andreas Schum - der letzte Thurgauer Tabakbauer

Wer heute über Tabakanbau im Thurgau spricht, spricht über einen einzigen Hof. Andreas Schum in Willisdorf hält eine Tradition allein aufrecht - mit rund sechs Tonnen Blatt pro Jahr.

Andreas Schum bewirtschaftet seinen Hof in Willisdorf bei Diessenhofen, am westlichsten Zipfel des Kantons Thurgau, seit über zwei Jahrzehnten. Auf seinen Feldern wachsen Burley und Virginia - die zwei klassischen Schweizer Tabaksorten. Pro Jahr erntet er rund sechs Tonnen Blatt, einen Teil davon liefert er an Heimat Tabak, wo daraus Zigaretten werden (Quellen: Thurgauer Zeitung, 19.08.2020 und 05.09.2023; TVO Online, 08.10.2024).

Schum gilt fachlich als einer der versiertesten Tabakproduzenten der Schweiz. In einem Porträt im 'Schweizer Bauer' (2017) wurde er für die hohen Deckungsbeiträge zitiert, die er aus seinen Tabakflächen erwirtschaftet - eine wirtschaftliche Ausnahme im sonst schwierigen Markt. Sein Wissen über Stickstoffmanagement, Sortenführung und Nacherntebehandlung ist über Jahre gewachsen und beruht auf praktischer Erfahrung - nicht auf einer Tabakschule, die es in der Schweiz nicht gibt.

Für Heimat ist die Zusammenarbeit mit Schum mehr als ein Bezugskanal. Sie ist ein Stück gelebter Ostschweizer Tabaktradition. Solange Andreas Schum sein Feld bestellt, gibt es Thurgauer Tabak. Hört er auf, wäre der Anbau im Kanton zu Ende.

Solange Andreas Schum sein Feld in Willisdorf bestellt, gibt es Thurgauer Tabak.

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Welche Sorten am Bodensee wachsen

Am Bodensee dominiert Burley. Virginia ist die zweite Sorte, die hier noch kommerziell angebaut wird. Der Grund ist - wieder einmal - das Klima.

Burley ist eine luftgetrocknete Tabaksorte mit hellem, fast cremefarbenem Blatt. Sie braucht warme Tage, kühle Nächte und gut durchlüftete Trocknungsscheunen. Am Bodensee findet sie alle drei Bedingungen. Burley macht den Hauptteil der Ostschweizer Tabakernte aus - bei Andreas Schum nach eigenen Angaben ebenfalls den grösseren Anteil.

Virginia ist eine heissluftgetrocknete Sorte (englisch 'flue-cured'). Die geernteten Blätter werden in geschlossenen Trocknungsöfen unter kontrollierter Wärmezufuhr getrocknet. Das fixiert die natürlichen Zucker im Blatt und gibt Virginia seine charakteristische goldgelbe Farbe und die süssliche Note. Schum baut beide Sorten parallel an - laut Schweizer Bauer (2017) entzieht er den Virginia-Flächen vorab gezielt Nährstoffe, weil Virginia im Gegensatz zu Burley kaum Stickstoff braucht.

Die Bodensee-Sorten unterscheiden sich aromatisch leicht von ihren Pendants aus dem Broyetal: etwas kräuteriger, weniger süss, mit einem spürbar längeren Abgang. Das ist nicht messbar, aber es ist das, was erfahrene Mischer bestätigen, wenn sie Bodensee-Burley neben Broye-Burley legen.

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Wie es heute mit dem Anbau weitergeht

Der Tabakanbau am Bodensee steht auf wenigen Schultern. Ob er die nächsten zwanzig Jahre überlebt, hängt an einer Handvoll Entscheidungen.

Die ökonomische Realität ist unverändert: Schweizer Tabak ist in der Produktion ein Vielfaches teurer als Importware. Für industrielle Massenmischungen kommt er nicht in Frage. Was ihn hält, sind Nischenabnehmer - Manufakturen, die bewusst auf Schweizer Rohstoff setzen und bereit sind, dafür einen fairen Preis zu zahlen.

Heimat Original ist heute einer der wenigen verlässlichen Abnehmer von Ostschweizer Tabak. Jede verarbeitete Charge sichert ein Stück Anbau - direkt, ohne Zwischenhandel. Wenn der Bodensee-Tabak in zwanzig Jahren noch existieren soll, dann nur, weil es eine kleine, aber stabile Nachfrage für ihn gibt.

Für die Region selbst wäre das Verschwinden ein stiller Verlust. Tabak ist neben Apfel, Wein und Hopfen eine der wenigen alten Spezialkulturen, die das Bodenseegebiet landwirtschaftlich charakterisieren. Verschwindet er, geht ein Stück Kulturlandschaft.

Tabak am Bodensee überlebt nur, solange es Abnehmer gibt, die ihn bewusst wollen.

Häufige Fragen

Tabak vom Bodensee im Detail

  • Ja, aber nur noch in sehr kleinem Umfang. Im Kanton Thurgau ist Andreas Schum in Willisdorf der letzte verbliebene Tabakbauer mit rund sechs Tonnen Jahresproduktion. Im Kanton St. Gallen gibt es einzelne weitere Pflanzer. Insgesamt bewegt sich die Anbaufläche am Bodensee im einstelligen Hektarbereich.

  • Andreas Schum ist Landwirt in Willisdorf bei Diessenhofen (Kanton Thurgau) und der letzte Tabakproduzent des Kantons. Seit über 20 Jahren baut er Burley und Virginia an. Ein Teil seines Tabaks geht an Heimat Tabak und wird zu Heimat-Zigaretten verarbeitet. Über ihn berichteten unter anderem die Thurgauer Zeitung, TVO Online und der Schweizer Bauer.

  • Der Bodensee wirkt als grosser Wärmespeicher. Er gleicht warme Tage und kühle Nächte aus, sorgt für seltener auftretende Spätfröste und schafft so ein mildes Mikroklima. Die alluvialen Schwemmlandböden sind mineralreich und tiefgründig. Beides zusammen schafft für Burley nahezu ideale Bedingungen für eine langsame, gleichmässige Reifung.

  • Hauptsorte ist Burley, eine luftgetrocknete Sorte mit nussig-erdigem Aroma. Daneben wird Virginia kultiviert, eine heissluftgetrocknete Sorte mit süsslich-mildem Profil. Beide werden im Freiland angebaut und in Payerne (Westschweiz) zentral fermentiert.

  • Aktuell rund sechs Tonnen Tabak pro Jahr - praktisch ausschliesslich auf dem Hof von Andreas Schum in Willisdorf. Das entspricht weniger als einem Prozent der gesamten Schweizer Tabakproduktion von etwa 1100 Tonnen jährlich.

  • Ja. Heimat Original verarbeitet einen Teil seines Burley und Virginia direkt aus Ostschweizer Anbau - unter anderem vom Hof Andreas Schum in Willisdorf. Der grössere Mengenanteil stammt nach wie vor aus dem Broyetal in der Westschweiz, wo drei Viertel des Schweizer Tabaks wachsen.

  • Ausführliche Porträts von Andreas Schum und dem Thurgauer Tabakanbau finden sich in der Thurgauer Zeitung (Beiträge von 2020 und 2023), bei TVO Online (Oktober 2024) und im Schweizer Bauer (2017). Diese Artikel sind frei online verfügbar.