Wissen - 07

Geschichte des Schweizer Tabaks.

Tabak wurde in der Schweiz erstmals 1697 dokumentiert angebaut - von einem Söldner, der Samen aus Holland mitbrachte. Aus diesem Anfang entwickelte sich über vier Jahrhunderte eine eigene Tabakkultur mit Hochs, Krisen und einer heutigen Nische, die kleiner ist als je zuvor und trotzdem überlebt.

Historische Tabakscheune im Broyetal

Definition

Die Geschichte des Schweizer Tabaks umfasst rund 330 Jahre - vom ersten dokumentierten Anbau 1697 in Wangen bei Olten über die Industrialisierung im 19. Jahrhundert, die Brissago-Manufakturen, die Hochzeit der 1950er-Jahre mit über 5000 Hektar Anbaufläche, die Strukturkrise ab den 1980ern bis zur heutigen Nische von rund 450 Hektar und 130 Betrieben.

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1697: der Söldner mit dem Saatgut

Der erste dokumentierte Schweizer Tabakanbau hat einen Namen, einen Ort und ein Jahr.

1697 brachte ein Söldner aus den niederländischen Diensten Tabaksamen mit nach Wangen bei Olten. Sein Name ist in den Gemeindearchiven erhalten. Er hatte in Holland gesehen, wie Bauern den damals exotischen Tabak kultivierten, und probierte das Verfahren zu Hause. Die ersten Pflanzen wuchsen in seinem Hausgarten.

Tabak war damals in Mitteleuropa noch jung. Die Pflanze war erst rund 150 Jahre zuvor aus Amerika nach Europa gekommen, zunächst als Zierpflanze und Heilmittel. Erst im 17. Jahrhundert setzte sich der Konsum als Genussmittel durch - als Pfeifentabak und Schnupftabak, lange vor der Zigarette.

Aus dem Wangener Hausgarten wurde innerhalb weniger Jahrzehnte ein lokaler Anbau, der sich über das Solothurner und Aargauer Mittelland verbreitete.

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18. Jahrhundert: Verbreitung in der Eidgenossenschaft

Tabak wurde zur Bauernkultur, lange bevor er zur Industrie wurde.

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts breitete sich der Tabakanbau über die heutigen Kantone Aargau, Solothurn, Bern, Freiburg und Waadt aus. Tabak galt als geeignete Ergänzung zum Getreidebau - er brachte Cash-Einnahmen für kleine Bauernhöfe, die sonst von Naturalwirtschaft lebten.

Die Eidgenossenschaft beobachtete den neuen Erwerbszweig mit Skepsis. Einige Orte erliessen zeitweise Tabakverbote aus moralischen oder agrarwirtschaftlichen Gründen - Tabak konkurrierte mit dem Brotgetreide um Ackerfläche. Diese Verbote wurden meist binnen weniger Jahre wieder aufgehoben, weil sie unter dem Druck der Pflanzer und Händler nicht hielten.

Im Broyetal - heute das Zentrum des Schweizer Tabakanbaus - begann der Anbau dokumentiert um 1750. Die kalkhaltigen Lehmböden und das milde Klima erwiesen sich als ideal.

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19. Jahrhundert: Industrialisierung und erste Manufakturen

Mit der Zigarre entstand die Schweizer Tabakindustrie.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte die Industrialisierung. Erste Zigarettenmaschinen, erste Tabakmühlen, erste Manufakturen mit Dutzenden Beschäftigten. Schweizer Tabak fand seinen Markt im Inland und teilweise im Export, vor allem nach Frankreich und Deutschland.

Die wirtschaftliche Bedeutung wuchs schnell. Um 1900 waren rund 8000 Hektar Tabak in der Schweiz unter Kultur, in mehreren Tausend Betrieben. Tabak war für viele Bauernhöfe im Mittelland und Tessin das wichtigste Cash-Crop des Jahres.

Die Pflanzervereinigungen entstanden in dieser Phase. 1928 wurde die heute noch bestehende Genossenschaft SOTA (Société Coopérative pour l'Achat du Tabac Indigène) gegründet, die später in SwissTabac aufging.

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Brissago: die Tessiner Zigarrenmanufaktur

Im Tessin entstand eine eigene Tabaktradition, die bis heute trägt.

Die Manufaktur Brissago, gegründet 1847 am Lago Maggiore, wurde zur bekanntesten Schweizer Zigarrenmarke. Brissago-Zigarren - dünn, lang, mit einem charakteristischen Strohhalm im Mundstück - waren um 1900 ein Schweizer Volksprodukt und zugleich Exportartikel.

Die Brissago-Manufaktur beschäftigte zu ihrer Hochzeit über 1000 Frauen, die in Heimarbeit oder im Werk Zigarren rollten. Diese Arbeitsplätze waren für die Tessiner Wirtschaft zentral, weil sie Frauen wirtschaftliche Eigenständigkeit ermöglichten, lange bevor das gesellschaftlich verbreitet war.

Die Marke Brissago existiert bis heute, wenn auch in stark reduzierter Form. Die Produktion ist Teil der Schweizer Tabaktradition, aber heute eine Nische.

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20. Jahrhundert: Hochzeit und Niedergang

Nach dem Krieg erreichte der Schweizer Tabakanbau seinen Höhepunkt - bevor er zur Nische schrumpfte.

In den 1950er- und 60er-Jahren erreichte die Schweizer Anbaufläche mit über 5000 Hektar ihren Höhepunkt. Mehrere zehntausend Bauernhöfe bauten Tabak an, viele davon nur einige Aren als Nebenkultur. Tabak war Volkserwerb.

Ab den 1970er-Jahren begann der Rückgang. Der internationale Tabakmarkt globalisierte sich. Schweizer Industriehersteller wechselten zu deutlich billigerer Importware aus Brasilien, Malawi, Simbabwe. Schweizer Tabak wurde nur noch in kleinen Anteilen beigemischt.

Bis Mitte der 2000er-Jahre schrumpfte die Anbaufläche auf rund 600 Hektar, die Pflanzeranzahl auf wenige Hundert. Viele Höfe stiegen aus, weil sich Tabak ohne staatliche Stützung kaum rechnete.

Heute liegt die Anbaufläche bei 450 Hektar mit rund 130 Betrieben. Das ist Stabilisierung auf niedrigem Niveau - getragen von Pflanzern, die die Tradition halten, und von wenigen Marken, die ausschliesslich Schweizer Tabak verarbeiten.

Von 5000 Hektar in den 1950ern auf 450 heute. Tabak in der Schweiz ist heute Nische, aber lebendig.

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Heute: kleine Nische, klarer Charakter

Die Strukturkrise ist überwunden - was bleibt, ist eine engagierte Pflanzergemeinschaft.

Heimat Original wurde 2018 gegründet mit dem expliziten Ziel, die einzige Zigarettenmarke zu sein, die ausschliesslich Schweizer Tabak verarbeitet. Diese Entscheidung war wirtschaftlich riskant, kulturell aber konsequent - Schweizer Tabak braucht Schweizer Abnehmer, sonst verschwindet er.

Die Pflanzer, die heute liefern, sind in der Regel die zweite oder dritte Generation auf ihren Höfen. Ihre Tabakscheunen stehen seit dem 19. Jahrhundert, ihre Erntemethoden sind über Generationen angepasst. Diese Kontinuität ist das eigentliche Erbe von 330 Jahren Tabaktradition.

Was 1697 in einem Hausgarten in Wangen begann, lebt heute in einer ausgedünnten, aber präzisen Form weiter. Schweizer Tabak ist klein, klar, lokal - und genau in dieser Form überlebensfähig.

Häufige Fragen

Schweizer Tabakgeschichte im Detail

  • Der erste dokumentierte Schweizer Tabakanbau geht auf das Jahr 1697 zurück, in Wangen bei Olten. Ein Söldner aus niederländischen Diensten brachte das Saatgut mit.

  • In den 1950er- und 60er-Jahren, mit über 5000 Hektar Anbaufläche und mehreren zehntausend Pflanzern. Seither sank die Fläche kontinuierlich auf heute rund 450 Hektar.

  • Brissago war eine 1847 am Lago Maggiore gegründete Zigarrenmanufaktur, die zur bekanntesten Schweizer Zigarrenmarke wurde. Die charakteristischen dünnen, langen Zigarren mit Strohhalm waren um 1900 ein Schweizer Volksprodukt.

  • Die Globalisierung des Tabakmarkts ab den 1970er-Jahren machte Importware aus Schwellenländern deutlich billiger. Schweizer Industriehersteller wechselten zu Mischtabaken, Schweizer Tabak wurde marginal.

  • SOTA (Société Coopérative pour l'Achat du Tabac Indigène) war die 1928 gegründete Pflanzergenossenschaft, die heute unter dem Namen SwissTabac den Schweizer Tabakanbau organisiert.

  • Heimat Original ist heute die einzige Zigarettenmarke, die ausschliesslich Schweizer Tabak verarbeitet. Die Marke wurde 2018 gegründet, mit dem expliziten Ziel, die Schweizer Pflanzergemeinschaft als Abnehmer zu stärken.

  • Der Anbau ist legal und reguliert. Werbung, Verkauf und Konsum von Tabakprodukten unterliegen heutzutage zunehmenden Einschränkungen, der Anbau selbst aber nicht.