N°05 · Journal

Vom Feld in die Manufaktur

Ein Tag mit unseren Bauern und Veredlern - was zwischen dem letzten Schnitt im Feld und dem ersten Blatt in der Mischung wirklich passiert.

Heimat Redaktion··7 min Lesezeit
Hände eines Veredlers sortieren Tabakblätter auf einem Holztisch

Es ist sechs Uhr morgens, irgendwo zwischen Payerne und Estavayer. Die Sonne liegt noch flach über den Feldern, der Boden ist kühl. Markus, unser ältester Pflanzerpartner, geht eine Reihe ab, prüft Blätter zwischen Daumen und Zeigefinger. Heute wird geerntet - aber nicht alles. Nur die Blätter, die heute reif sind.

1. Priming, nicht Stalk-cut

Unsere Pflanzer arbeiten fast ausschliesslich nach dem Priming-Verfahren: Pro Pflanze werden über drei bis fünf Wochen nacheinander nur jene Blätter geerntet, die ihre optimale Reife erreicht haben. Das ist aufwendiger als der amerikanische stalk-cut, bei dem die ganze Pflanze auf einmal gefällt wird. Aber es ist die einzige Methode, mit der jedes Blatt sein individuelles Optimum erreicht.

2. Die Trocknungsscheune

Innerhalb weniger Stunden hängen die Blätter in der offenen Scheune. Burley wird luftgetrocknet - kein Feuer, kein Rauch, nur ziehender Wind und die Temperatur des Schweizer Spätsommers. 6 bis 8 Wochen lang verfärben sich die Blätter von hellem Grün zu warmem Tabakgold, dann zu Kastanienbraun.

3. Konditionierung

Trockenes Blatt ist zerbrechlich. Bevor wir es weiterverarbeiten, bringen wir es in unserer Befeuchtungskammer auf 12-14 % Restfeuchte zurück - genug, um es sortieren und stapeln zu können, ohne dass es bricht.

4. Erste Sortierung: nach Position

Jedes Blatt erhält eine Lage zugeordnet:

  • Lugs (untere Lage): mild, leicht, ideal für Mischungsausgleich.
  • Cutters / Leaf (mittlere Lage): Kern jeder Mischung, rund, aromatisch.
  • Tips (obere Lage): intensiv, würzig, nikotinreich.

5. Fermentation

Die sortierten Blätter werden in Stapeln gesetzt - bei uns 12 bis 36 Monate. Was dort genau passiert, beschreibt unser Beitrag Warum Fermentation wichtiger ist als Technik.

6. Entrippung

Die Mittelrippe verbrennt anders als die Blattfläche, schmeckt anders und stört das Mundgefühl. Sie wird per Hand oder mechanisch entfernt - bei uns ausschliesslich nach der Fermentation, damit das Blatt geschmeidig bleibt.

7. Zweite Sortierung: nach Qualität

Jetzt entscheidet das Auge: Farbe, Textur, Risse, Flecken. Nur etwa 60 bis 70 Prozent eines Stapels erreichen Manufakturqualität. Der Rest wird weiterverwendet, aber nicht in unseren Signature Mischungen.

8. Die Mischung (Blending)

Hier wird Tabak vom Rohstoff zum Produkt. Verschiedene Sorten, Lagen und Jahrgänge werden in präzisen Verhältnissen zusammen- geführt. Eine gute Mischung schmeckt nicht nach ihren Bestandteilen, sondern nach etwas Neuem, das alle zusammen ergeben.

9. Reifung der Mischung

Auch fertige Mischungen ruhen noch einmal - meist 3 bis 6 Monate - bevor sie verpackt werden. Die Aromen müssen sich aneinander gewöhnen.

Eine gute Mischung ist wie eine gute Ehe: am Anfang erkennt man die Eigenarten, am Ende nur noch die Harmonie.

Was am Ende bleibt

Vom Schnitt im Feld bis zur ersten gefüllten Dose vergehen in unserer Manufaktur mindestens 18, oft 36 Monate. Das ist unwirtschaftlich nach Industriemassstäben und der einzige Weg, Schweizer Tabak so zu zeigen, wie er ist.