N°06 · Journal

Broye - das Herz des Schweizer Tabaks

Zwischen Payerne, Estavayer und dem Murtensee liegt jenes Tal, in dem rund drei Viertel des Schweizer Tabaks wachsen. Eine Annäherung an eine fast unsichtbare Landschaft.

Heimat Redaktion··9 min Lesezeit
Luftaufnahme des Broyetals mit Tabakfeldern und Flussbiegung

Wer mit dem Zug von Lausanne nach Bern fährt, durchquert das Broyetal in zwölf Minuten und sieht es selten. Flach, grün, ruhig - eine Landschaft, die sich nicht aufdrängt. Und doch wachsen hier, zwischen Payerne, Estavayer-le-Lac und Avenches, rund drei Viertel des gesamten Schweizer Tabaks. Wer Schweizer Tabak ernsthaft verstehen will, muss in die Broye.

Warum gerade hier?

Die Antwort liegt im Boden. Die Broye ist eine ehemalige Sumpfebene, die im 19. Jahrhundert durch die Correction des eaux du Jura trockengelegt wurde. Was zurückblieb, ist eine seltene Mischung aus tiefgründigem Lehm über Molasse, durchsetzt mit feinem Sand - Böden, die Wasser speichern, aber nicht versumpfen. Genau das, was die Tabakpflanze in einem kühl- gemässigten Klima braucht.

Dazu kommen drei mikroklimatische Vorteile:

  • Der Neuenburger- und Murtensee wirken als thermische Puffer und mildern Spätfröste.
  • Der Jura im Westen bremst die feuchten Atlantikwinde - die Broye liegt im Regenschatten.
  • Die Sommernächte sind kühl - entscheidend für die Konzentration aromatischer Verbindungen.

Die Pflanzer

Aktive Tabakpflanzer in der Broye gibt es heute weniger als 80. Die meisten bewirtschaften Familienbetriebe in zweiter oder dritter Generation, oft mit nur 1 bis 3 Hektar Tabakfläche neben Zuckerrüben, Weizen und Mais. Tabak ist kein Monokultur-Geschäft - und genau das ist seine Stärke. Die Fruchtfolge mit Hackfrüchten hält den Boden lebendig und reduziert Krankheitsdruck ohne Chemie.

Koordiniert wird die Region von der SOTA (Société de Tabac), einer Genossenschaft, die Saatgut, Abnahmegarantien und Qualitätskontrolle organisiert. Ein in Europa weitgehend einmaliges Modell.

Die Sorte: Burley regiert

Über 80 Prozent der Broye-Produktion entfallen heute auf Burley. Die helle, luftgetrocknete Sorte fühlt sich auf den lehmigen Böden zuhause: tiefe Pfahlwurzeln finden Wasser, die kühlen Nächte bremsen die Zuckerproduktion und verschieben das Aroma in herzhafte, nussige Richtung. Daneben wächst in kleineren Mengen Virginia und vereinzelt Maryland für die Stumpenproduktion.

Burley aus der Broye schmeckt anders als Burley aus Kentucky - ruhiger, kühler, weniger holzig. Es ist ein nordeuropäischer Akzent in einer Sorte, die sonst südlich gedacht wird.

Die Trocknungsscheunen

Wer im September durch die Broye fährt, sieht sie überall: lange, schmale Holzscheunen mit beweglichen Wandlatten, die je nach Wetter geöffnet oder geschlossen werden. Diese séchoirs sind das sichtbarste Symbol der Region. Viele sind über hundert Jahre alt, einige stehen unter Denkmalschutz. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie vor 150 Jahren: Wind, Geduld, das richtige Timing.

Was die Broye uns lehrt

Die Broye ist ein Lehrstück darüber, was Terroir wirklich bedeutet. Es ist nicht nur Geologie. Es ist die Summe aus Boden, Klima, Sortenwahl, Handwerk und Menschen, die wissen, was sie tun und die wissen, wann sie nichts tun müssen.

Wenn Sie in einer unserer Mischungen den Hauptanteil Schweizer Burley schmecken, dann schmecken Sie diese Landschaft. Den Lehm, den Wind, die Geduld der Pflanzer. Lesen Sie weiter über Schweizer Terroir und Burley aus der Schweiz.